Italien und seine Tischkultur

Wer in einem italienischen Lokal wie in einer Trattoria essen geht, dem fällt auf, dass uns die Italiener oft einiges in der Tischkultur voraushaben. Doch woher kommt das?

Schon in den Zeiten der Römer hat sich durch den Kontakt mit vielen anderen Völkern die ursprünglich bäuerliche Kultur in Italien zu wandeln begonnen. Den größten Einfluss darauf hatte wohl der Kontakt mit Vökern aus dem Nahen Osten sowie das Zusammentreffen mit den Griechen.

So schauten sich die Römer beispielsweise von den Griechen die Sitte ab, im Liegen zu tafeln. Die Gastgeberschaft wurde immer ritualisierter und erforderte so auch immer mehr und raffiniertere Utensilien, sowohl in der Küche als auch am Tisch.

Besteck gab es damals noch keines, weil man mit den Händen aß, lediglich der Löffel machte schon bald in seinen verschiedensten Ausführungen Karriere, um Suppen, Eier, Schnecken oder Muscheln damit zu essen.

Erst im Mittelalter setzten sich dann in Italien vor allem in den Königshäusern Tischsitten durch, die anderen europäischen Ländern noch fern waren. So wurden erstmals Messer und Gabel neben dem Löffel als Standardbesteck eingeführt sowie der Gebrauch einer Serviette. Außerdem wurde es üblich, sich vor dem Essen die Hände zu waschen. Was uns heute unmöglich scheint, musste damals gesetzlich angeordnet werden: Das Verbot, sich in das Tischtuch zu schnäuzen.

Fortan gehörte es in den Gebieten des heutigen Italien zum guten Ton, auf gepflegte Tischsitten zu achten, wozu immer ein sauberes Tischtuch und Stoffservietten gehören. Ein besonderes Augenmerk wurde in der Renaisance dem Tranchieren bei Tisch gewidmet. Es gehörte neben Reiten, Fechten und Tanzen zur Standardausbildung von Fürsten und wurde sogar an der Universität gelehrt.

Noch heute ist es auch an einfacheren italienischen Trattorien und Osterien üblich, an einem mit Tischtuch und Stoffserviette gedeckten Tisch zu essen. Vor dem Essen wird immer ein Korb mit Brot eingestellt, um den Gästen das Warten auf das Essen zu verkürzen.